Christians Fotoblog

Photographie | digitale Bildbearbeitung

Cyanotypie – Teil 1

Auch oder vielleicht besser: gerade im Zeitalter zunehmender Digitalisierung haben die historischen fotochemischen Edeldruckverfahren nichts von ihrem ursprünglichen Charm verloren:

Nachdem ich schon länger damit liebäugelte, habe ich es in einem ersten Versuch nun endlich einmal geschafft, mich etwas ausführlicher mit der Cyanotypie (Blaudruck) zu beschäftigen.

In einem dreiteiligen Tutorial werden die Vorbereitung des Papiers (Teil 1), die Herstellung von Negativen (Teil 2) und schließlich Entwicklung und Nachbehandlung (Teil 3) der Blaudrucke behandelt.

Teil 1: Vorbereitung des Papiers

Dazu vorab ein wichtiger

Sicherheitshinweis und Haftungsausschluss

Die hier verwendeten Chemikalien können bei nicht sachgemäßem Umgang damit Augen, Haut und Atmungsorgane reizen bzw. verletzen oder gar – insbes. das Kaliumhexacyanidoferrat(III) – hoch giftigen Cyanwasserstoff (“Blausäure”) freisetzen. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen (Schutzbrille usw.) beim Umgang mit Chemikalien sind daher zu ergreifen.

Das Nachvollziehen der einzelnen Arbeitsschritte des sorgfältig erstellten Tutorials erfolgt stets auf eigene Gefahr. Für etwaige Schäden bzw. Verletzungen wird nicht gehaftet. Das nur der Vollständigkeit halber.

Zur Herstellung des lichtempfindlichen Papiers werden verschiedene

Laborgeräte und Chemikalien

benötigt:

Chemikalien und Geräte

Chemikalien und Geräte für die Cyanotypie

Um ehrlich zu sein, gehören das Eisen(III)-chlorid und das Kupfer(II)-sulfat-Pentahydrat nicht wirklich dazu, machen sich in ihren Steilbrustflaschen aber immer recht nett auf Fotos…

Scherz beiseite – für die Behandlung des Papiers verwendete ich folgende

Chemikalien und Hilfsstoffe

Ammoniumeisen(III)-citrat (grün) und Kaliumhexacyanidoferrat(III)

Ammoniumeisen(III)-citrat (grün) und Kaliumhexacyanidoferrat(III)

Da für beide Verbindungen nach wie vor verschiedene, auch historisch gewachsene Bezeichnungen gebräuchlich sind, habe ich oben auch die CAS-Nummern aufgeführt.

Daneben kamen folgende

Laborgeräte und Hilfsmittel

zum Einsatz:

  • Bechergläser (100 ml)
  • Erlenmeyerkolben (weithals, 300 ml)
  • Labor(fein)waage
  • Glasrührstäbe
  • Braunglasflaschen für die beiden Lösungen (500 ml)
  • Stück von einem handelsüblichen Haushaltsschwamm (s. Fotos unten)
  • Föhn zum Trocknen des Papiers

Die aufgeführten Geräte sind nicht alle zwingend erforderlich, können die Arbeit aber erheblich erleichtern.

Ansetzen der beiden Lösungen

Für die erste Lösung sind ca. 20 g Ammoniumeisen(III)-citrat (in ein Becherglas) abzuwiegen…

Ca. 20 g Ammoniumeisen(III)-citrat Ammoniumeisen(III)-citrat

…und in 100 ml heissem dest. Wasser aufzulösen:

Für die zweite der beiden benötigten Lösungen werden ca. 8 g Kaliumhexacyanoferrat(III) abgewogen und sodann in ebenfalls 100 ml zuvor erhitztem dest. Wasser aufgelöst:

In einer geeigneten Flaschen getrennt voneinander aufbewahrt, halten sich beide Lösungen recht lange.

Mischen der beiden Lösungen

Die Mischung aus beiden Lösungen ist lichtempfindlich, so dass sie erst unmittelbar vor dem Beschichten des Papiers unter gedimmtem Kunstlicht herstellt werden sollte, indem je 20 ml der Ammoniumeisen(III)-citra-Lösung und der Kaliumhexacyanoferrat(III)-Lösung gemischt werden:

Da es sich um einen ersten Versuch handelte, habe ich bewusst erst einmal nur 40 ml der wohl nicht lange haltbaren und vor allem lichtempfindlichen Lösung angesetzt, was – wie sich zeigen sollte – auch völlig ausreichte, um gut zehn Bögen Papier (im DIN-A4-Format) zu behandeln.

Beschichten des Papiers

Bevor es an das Beschichten des Papiers gehen konnte, galt es erst einmal, geeignetes Papier auszuwählen (für Tipps bin ich – wie immer – jederzeit dankbar!). Erst dachte ich an Aquarellpapier, habe mich dann aber für handelsübliches mattes – an sich für Tintenstrahldrucker gedachtes – Fotopapier von Canon entschieden, das ich sonst mit meinem Fotodrucker bedrucke.

Ob das unbedingt die beste Wahl war, muss und wird sich noch zeigen. Grundsätzlich sollte das Papier stabil genug sein, um ordentlich gewässert werden zu können, ohne gleich zu zerfallen. Etwas dicker darf es also durchaus sein. Für meine Versuche habe ich ein Papier mit einem Gewicht von 170 g/qm gewählt, das hinreichend stabil war. Ferner sollte das Papier möglichst pH-neutral sein, damit es später nicht zu unerwünschten chemischen Reaktionen kommt, die zur Zerstörung oder zumindest so nicht vorgesehen Veränderungen des Blaudrucks kommt. Bislang konnte ich an meinen Cyanotypien nichts in der Art feststellen, aber das mag noch kommen…

Wie auch immer: Mit der zuvor angemischten Flüssigkeit wurde das Papier schließlich unter Zuhilfenahme eines Stücks von einem Haushaltsschwamm bestrichen:

Das geht freilich auch anders: Ursprünglich kam einer der dickeren Glasrührstäbe zum Einsatz, wobei allerdings ziemlich viel Flüssigkeit buchstäblich über das Ziel hinausschoss (da sie mehr oder weniger bei Dunkelheit auf dem Papier und darüber hinaus verteilt wurde…), so dass später die Schwammtechnik zum Einsatz kam.

Die fertig bestrichenen Papiere wurden im Anschluss noch eine Weile zum Trocknen ausgelegt, damit die Flüssigkeit gut in das Papier einziehen konnte. Erst danach kam der Föhn zum Einsatz, was nicht nötig ist, wenn genug – lichtgeschützter (!) – Platz zum Trocknen des Papiers vorhanden ist.

Nach der etwas rüden Behandlung mit dem Föhn waren einige Bögen des Papiers recht stark gewellt, was aber kein größeres Problem darstellen sollte, wie sich im dritten Teil des Tutorials zeigen wird.

Zuvor aber erklärt Teil zwei, wie Negative hergestellt werden können, um das soeben hergestellte Blaudruckpapier mit mehr oder weniger beliebigen Motiven belichten zu können.

Erste Ergebnisse meiner Versuche mit dem Blaudruckverfahren sind im Blog zu sehen.


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